|
Das Immundefizienzsyndrom der Katzen (auch
Felines erworbenes Immundefizienzsyndrom, umgangssprachlich
„Katzen-Aids“, englisch Feline Acquired Immune Deficiency
Syndrome - FAIDS) ist eine virale Infektionskrankheit von Katzen. Der
Erreger ist das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) aus der Familie der
Retroviren. Das Virus schwächt das Immunsystem und löst
Folgeerkrankungen aus, die zum Tod führen. Es ähnelt damit
dem Auslöser von Aids beim Menschen, ist aber für diesen
ungefährlich. Bisher wurden Virusstämme aus neun
verschiedenen Katzenarten isoliert, bei vielen weiteren Arten wurden
Antikörper gefunden, die auf eine Infektion hindeuten.
Vorkommen
Der Erreger kommt weltweit vor, etwa
1–30 % der Katzenpopulation sind infiziert. Von den weltweit
400 Millionen Katzen sind 44 Millionen (11 %) infiziert. Die Zahl
könnte noch leicht höher liegen, da 10–15 % der
mit FIV infizierten Katzen seronegativ sind.
Die verschiedenen FIV-Stämme infizieren alle Katzen und alle
Altersgruppen. Klinisch tritt die Erkrankung zumeist bei Tieren auf,
die älter als fünf Jahre sind. Eine Infektion hält
lebenslang an.
Isoliert gehaltene Hauskatzen ohne Kontakt
zu Artgenossen sind kaum gefährdet. Zur Hauptrisikogruppe
gehören vor allem ältere Freigängerkater mit
ausgeprägtem Revierverhalten in Umgebungen mit hoher Katzendichte,
da die Tiere dann häufiger in Kämpfe verwickelt werden. Der
normale soziale Kontakt zwischen Katzen führt nicht zu einer
Ansteckung.
Übertragung
Das Virus kann in Speichel, Blut und
Liquor cerebrospinalis nachgewiesen werden. Die Hauptübertragung
erfolgt vermutlich über Bisse. Diese Vermutung wird gestützt
durch die Beobachtung, dass die Seropositivität mit dem Alter der
Katzen zunimmt. Es wurde experimentell bestätigt, dass Katzen das
Virus bereits im Mutterleib auf die Feten übertragen können.
Eine Infektion von Katzenwelpen über Kolostrum und Muttermilch ist
ebenfalls möglich. Diese Frequenz dieser Übertragungen
schwankt jedoch mit verschiedenen FIV-Stämmen und ist in der
Gesamtbetrachtung eher die Ausnahme als die Regel. Die
„horizontale“ Übertragung ist wesentlich wichtiger als
die vertikale.
Pathogenese und Symptome
Der Ablauf der Infektion kann in vier
Stadien unterteilt werden: in eine akute, eine asymptomatische, eine
unspezifische und eine terminale AIDS-artige Phase. Nach einer
Erstinfektion produziert die Katze sofort Virus-spezifische
Antikörper und cytotoxische T-Zellen, ist jedoch trotz der
heftigen Immunreaktion nicht in der Lage, die Infektion
vollständig zu überwinden, und das Virus verbleibt in allen
bisher untersuchten Fällen dauerhaft im Körper.
Die Primärinfektion zeigt sich in
Fieber, Neutropenie und Lymphadenopathie. Von diesem
Übergangsstadium erholen sich die Tiere meist rasch und die
Krankheit kommt scheinbar für mehrere Monate zum Erliegen.
Während dieser Zeit nimmt die Zahl der CD4-positiven Zellen im
Blut stetig ab. Das Verhältnis von CD4- zu CD8-positiven Zellen
verschiebt sich, und es kommt zu Fehlfunktionen der B- und T-Zellen. Im
weiteren Verlauf hat FAIDS keine eindeutigen Symptome, da sie teilweise
durch Sekundärinfektionen infolge der Immunschwäche
geprägt ist. Erst etwa fünf bis neun Jahre nach der Infektion
werden die ersten Aidsartigen Symptome sichtbar. Dadurch, dass FIV auch
Zellen des Nervensystems wie Gliazellen und Astrozyten infizieren kann,
kommt es teilweise zu neurologischen Symptomen wie verzögerten
Reaktionen, vorübergehenden Lähmungen,
Verhaltensänderungen und Anisokorie.
Je nach Stadium der Erkrankung treten
weitere Symptome auf: schlechtes Fell, Fieber, Durchfall,
Verhaltensstörungen infolge einer Enzephalopathie, chronische
Entzündungen (Bindehaut-, Zahnfleisch-,
Maulschleimhautentzündung), starke Gewichtsabnahme,
Appetitlosigkeit (Inappetenz) und Schwellungen der Lymphknoten. Der
zeitliche Verlauf der Erkrankung hängt auch von den FIV-Subtypen
ab. Bei manchen pathogeneren Stämmen sterben 5 bis 25 % der
Hauskatzen innerhalb eines Jahres.
Hochgradig entzündetes Zahnfleisch durch Immundefiziens

Diagnose
Aufgrund des sehr variablen klinischen
Bildes kann eine Diagnose nur durch serologischen Nachweis der
Antikörper (theoretisch auch durch eine Virusisolation) erfolgen.
Wegen des möglichen Vorhandeseins kolostraler Antikörper
sollten Jungkatzen im Alter von 6 Monaten erneut getestet werden.
PCR-basierte Diagnostik ist eine zuverlässigere Methode, da hier
bis zu 15 % mehr Tiere positiv getestet werden, die keine
nachweisbaren Antikörper gebildet haben und daher im ELISA negativ
sind.
Der ELISA-Test kann falsch-positive
Ergebnisse bringen, weshalb eine Verifizierung über Western Blot
oder indirekten Immunfluoreszenztest notwendig ist.
Differentialdiagnostisch sind Feline Leukämie und Feline Infektiöse Peritonitis in Betracht zu ziehen.
Behandlung
Eine Therapie zur Heilung von FAIDS gibt
es bisher nicht. Erkrankte Katzen müssen vom Freigang
ausgeschlossen werden, um andere Katzen nicht zu gefährden.
Normale soziale Kontakte ohne Beißereien und Rangkämpfe
unter in einem Haushalt zusammenlebenden Katzen führen in der
Regel zu keiner Ansteckung.
Um die Lebensdauer und die Lebensqualität einer erkrankten Katze zu erhöhen, empfiehlt sich:
- die Behandlung von Sekundärinfektionen, die durch die Immunschwäche aufgetreten sind,
- die Haltung des erkrankten Tieres in möglichst stressfreiem Umfeld,
- eine antivirale Chemotherapie, Gabe von Interferon alpha und eine regelmäßige Überwachung der Blutwerte.
Die Krankheit ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt nicht heilbar. Man kann die Krankheitssymptome nur versuchen zu lindern.
Prophylaxe
Einen hundertprozentigen Impfschutz gegen
Katzenaids gibt es bislang nicht. Jedoch wurde im September 2002 ein
erstes Impfmittel (Fel-O-Vax FIV) zur Impfung entwickelt. Aufgrund der
Vielseitigkeit des FIV-Virus und des Krankheitsbildes, ist die Wirkung
der Imfung durch Fel-O-Vax jedoch nur in einigen Fällen
erfolgreich. Da erst wenige klinische, statistich
aussägekräftige Tests vorliegen, kann über den Erfolg
der Impfung bisher erst wenig gesagt werden.

Quelle: Wikipedia
|